Sehr geehrte Innen- und Umweltausschussmitglieder, sehr geehrte Ratsabgeordnete,
auf dem Gebiet der Schützengilde / Prüner Schlag sind bei einer Begehungen im September mindestens 8 Fledermausarten nachgewiesen worden, der Verdacht auf 3 weitere wurde geäußert. Es liegt jetzt der Antrag des Bürgermeisters auf Umgestaltung der nicht für das Bauvorhaben Möbel Kraft/Sconto gebrauchten Kleingartenparzellen als Kompensationsmaßnahme (CEF-Maßnahme) schon vor möglichem Baubeginn vor.

Dazu stellen wir fest:
Fledermäuse sind besonders geschützte Säugetiere, die dämmerungsaktiv Insekten jagen. Fledermäuse lassen sich bei der Jagd nicht durch Menschen, jedoch durch Straßen-/Bauverkehr stören. Die Wochenstuben von Fledermäusen liegen häufig sogar in unmittelbarer Nähe zum Menschen, so auf Dachböden, hinter losen Schindeln u.ä.. Kleingärten stellen für viele Fledermäuse ein optimales Jagdrevier da, da die Kleinstruktierung mit Hecken, Bäumen, Gebüschen, Blühpflanzen und eher wenig monotonen Rasenflächen zu einem großen Nahrungsangebot führt. Manche, aber bei weitem nicht alle der gefundenen/vermuteten Fledermausarten profitieren von der Anlage von Kleingewässern. Damit kann über eine sinnvolle Kompensationsmaßnahme erst nachgedacht werden, wenn eine genaue Bestandserfassung durchgeführt worden ist, die insbesondere auch die Suche nach Wochenstuben in vorhandenen Lauben beinhaltet. Vor Abschluss dieser Erfassung darf daher keine Veränderung am Ist-Zustand als Kleingartengelände durchgeführt werden. Folglich ist eine Änderung des Ratsbeschlusses zum jetzigen Zeitpunkt auch deutlich verfrüht.
Kompensationsmaßnahmen müssen zudem zu einer Aufwertung des Gebietes führen. Wie sich aus oben Gesagtem ergibt, ist eine Aussage über die Wertigkeit des vorhandenen Gebietes noch nicht möglich. Eine Aussage über einen zusätzlichen Nutzen von neuen Kleingewässern und den genannten Veränderungen wie Pflanzungen von Obstbäumen (diese sind übrigens in den meisten Parzellen vorhanden...), Aufhängen von Nistkästen bei bisher nur sehr unvollständiger Erfassung aufgrund der ungünstig im Herbst liegenden Beobachtungstermine ist ebenfalls nicht möglich.
Betonen möchten wir in diesem Zusammenhang, dass Zulieferungsverkehr (typischerweise in der Dämmerung) eine erhebliche Belastung für die Tiere darstellt. Zudem wurde in der Fachgutachterlichen Darstellung vom Oktober dringend der Beibehalt des Gehölzstreifens am Westring angemahnt, der sich in der jetzt vorliegenden Karte nicht wiederfindet! Außerdem ist das reine Jagdrevier im vorliegenden Plan auf weniger als die Hälfte verkleinert. Eine CEF-Maßnahme kann auf dem Kleingartengelände schon verfahrenstechnisch nicht greifen, weil es ja gerade der Sinn einer CEF-Maßnahme ist, bevor man eingreift, an anderer Stelle Ausgleich zu schaffen. Die Maßnahme soll dabei einen unmittelbaren räumlichen Bezug zum betroffenen Habitat haben und angrenzend neue Lebensräume schaffen, die in direkter funktionaler Beziehung mit dem Ursprungshabitat stehen. (http://www.tgp-la.de/projektpdfs/Artenschutz_Hermanns_070305.pdf, ab S.9)
Wir fordern Sie daher auf, den Zeitpunkt der Entscheidung über die Weiternutzung des nicht für Möbel Kraft/Sconto benötigten Geländes zu verschieben bis die umweltgutachterliche Stellungnahme abgeschlossen ist.

Im Anhang: Fachgutachtenpräsentation 10/12, Karte zum Antrag des Bürgermeisters



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