Gemeinsame Stellungnahme von BUND Kreisgruppe Kiel, NABU Ortsgruppe Kiel und AG Fledermausschutz zum anstehenden Aufstellungsbeschluss für das geplante Sportleistungszentrum Projensdorf

 Die Kieler Naturschutzverbände begrüßen das Ergebnis der vom Stadtplanungsamt vorgelegten Standortalternativenprüfung für ein Bauvorhaben auf dem Gelände des jetzigen Holstein-Kiel-Trainingszentrums. Die anderen in Erwägung gezogenen Alternativen würden erheblich größere Eingriffe in die Landschaft bedeuten.

Trotzdem noch für bedenklich und für ohne weiteres vermeidbar halten wir das Ausmaß der zum jetzigen Zeitpunkt vorliegenden Planung. Dabei sollen jetzt (Planalternative 6) neben einem gesetzlich geschützten (Feucht-) Biotop auch im Landschaftsplan als Vorrangflächen für den Naturschutz dargestellte Bereiche sowie existierende Ausgleichs- und Ersatzflächen für frühere Bauvorhaben überplant werden. Zudem sind die südwestlichen Flächen Teil des geplanten Landschaftsschutzgebietes zwischen Suchsdorf/Klausdorf und Projensdorfer Gehölz.

Der Deutscher Sportbund, einer der Mitbegründer des Deutschen Olympischen Sportbundes sowie der DFB haben umweltpolitische Grundsätze vorgegeben, die auch bei Bauplanungen zugrunde gelegt werden sollen: „Unsere Gesellschaft beansprucht heute die Lebensgrundlagen Natur und Umwelt übermäßig. Die Auswirkungen auf Luft, Wasser und Landschaft beeinträchtigen auch den Sport. Er hat somit ein ureigenes Interesse, zur allgemeinen Umweltvorsorge beizutragen.“ (Quelle)

Da solche umweltrelevanten Bereiche jedoch im Planungsraum selbst sowie in dessen Rand- und weiteren Umgebungsbereichen liegen, halten wir es für angebracht, den anvisierten Flächenverbrauch schon im Vorhinein zu minimieren.

 Dies ließe sich erreichen durch

  • Verzicht auf die Beachvolleyball-Halle an dieser Stelle und
  • eine substanzielle Reduktion der Stellplatzzahlen bzw. durch kompaktere Unterbringung des ruhenden Verkehrs in Form von Parkpaletten oder eines unterflurigen oder mehrstöckigen Parkraums. Zudem wäre ein Park-and-ride-System vom Holsteinstadion mit seinen Parkplätzen bei hohem Verkehrsaufkommen denkbar, ebenso die Förderung von Nutzung von Fahrrad und ÖPNV.
  • Insgesamt erscheint uns zum gegenwärtigen Zeitpunkt der hohe Bedarf an Spielfeldern nicht darstellbar. Darüber hinaus bietet sich an diesem Ort eine Kooperation mit dem Suchsdorfer SV geradezu ideal an (zwei weitere Vollplätze in direkter Nachbarschaft). Eine solche Lösung würde auch eine einseitige Bevorzugung von Spitzensport gegenüber Breitensport vermeiden helfen.

Uns ist bewusst, dass die geplante Einbeziehung von olympischen Sportarten wie Segeln und Beachvolleyball auch einer möglichen Erschließung von weiteren Fördergeldern des Bundes geschuldet ist. Diesbzglich verweisen wir aber auf eine aktuelle Meldung des NDR, nach der die Segler wahrscheinlich einen eigenen Standort entwickeln werden: „Der Deutsche Segler-Verband (DSV) hat unterdessen bekannt gegeben, dass der Standort Kiel im Rahmen der Olympia-Bewerbung für die Spiele 2024 aufgewertet werden soll. Mittelfristig sollen die Bereiche Wettsegeln, Technik und Jugend nach Kiel umziehen.“ (Quelle)

Wir gehen davon aus, dass ein solches Zentrum wassernah und unabhängig geplant werden dürfte, insofern bestünde dafür in Projensdorf wahrscheinlich kein weiterer Flächenbedarf. Die Sportarten Beachvolleyball und Rudern wären sinnvollerweise als Wassersport ebenfalls dort in der Nähe anzusiedeln. Somit dürfte der anvisierte Parkplatzbedarf insgesamt auch niedriger liegen.

Die Ansiedlung eines Sportlerinternats für verschiedenste Sportarten in Projensdorf erscheint trotzdem sehr sinnvoll, da auch das Ernst-Barlach-Gymnasium schon jetzt einen Sportzweig anbietet. Im Sommerhalbjahr müssten die olympischen Sportarten Rudern, Segeln und Beachvolleyball ohnehin zu extern gelegenen Sportstätten an der Förde fahren. Daher erscheint auch im Winter  eine Fahrt zu anderswo gelegenen speziellen Trainingsstätten wie Beachvolleyballhalle sehr wohl machbar. Die gemeinsame Nutzung von Trainings- und Krafträumen in unmittelbarer Nähe des Internats sollte daher für die Förderung im Rahmen eines umweltverträglichen Konzeptes mit verschiedenen Standorten ausreichend sein.

Nicht zuletzt würde der Erhalt der nach aktueller Planung wegfallenden Grün- und Waldbereiche zur B76 hin eine erhebliche Verbesserung des Immissionsschutzes durch dieses Schirmgrün bewirken. Damit hielte sich gleichzeitig auch das zum Teil erhebliche Ausgleichserfordernis für die betreffenden Flächen in deutlichen Grenzen.

Grundsätzlich mahnen wir einen äußerst zurückhaltenden Umgang mit Kieler Freiflächen an, insbesondere im Sinne des § 1a, Abs. 2 und § 1 Abs. 6 Ziffer 7 BauGB.

Dies deckt sich mit den grundlegenden Positionen des Olympischen Komitees, und erscheint uns hier auch ohne größere Einschränkungen für dieses unbestritten wichtige Projekt auch weitgehend problemlos realisierbar.



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